2014 war Robert Habeck Minister für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt in Schleswig-Holstein. Damals sagte er:

„Es ist gut, dass die unterirdische Speicherung von CO2 nun im ganzen Land ausgeschlossen wird. Hier hat das Land parteiübergreifend klar gemacht: Wir wollen kein CCS als Reinwasch-Technologie für die klimaschädliche Kohleverbrennung.“

CCS steht für Carbon Capture and Storage. In einem Pilotprojekt wird in Norwegen in einem Zementwerk in Brevik ein Teil des entstehenden CO2 eingefangen, verflüssigt und unter dem Meeresboden verpresst. Noch unklar ist, ob das CO2 dauerhaft dort bleibt oder irgendwann wieder entweicht.

Doch kurz vor Weihnachten 2022 verkündete Herr Habeck, inzwischen Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, die Erneuerung des Gesetzes für CCS sei eines seiner wichtigen Vorhaben im Jahr 2023.

Nach seinem Norwegen-Besuch Anfang Januar 2023 hält Robert Habeck CCS nun sogar für eine seit 20 Jahren bewährte und sichere Technologie. Jetzt argumentiert er, dass kein Weg an CCS vorbeiführe, wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral sein und seine Industrie behalten wolle.

CCS ist sicher eine erforschenswerte Technologie, die vielleicht irgendwann dazu beitragen kann, das bisher von der Menschheit ausgestoßene CO2 wieder einzufangen.

Aber auf keinen Fall darf CCS dazu benutzt werden, aktuellen CO2-Ausstoß schönzurechnen.

Mit ähnlichem Ablasshandel könnte man sonst auch andere klimaschädliche Aktivitäten greenwashen, anstatt sie endlich zu verbieten oder zumindest stark einzuschränken: Wer z.B. trotz Klimakrise meint, immer noch eine Flugreise machen zu müssen, müsste dann lediglich zur Kompensation des CO2-Ausstoßes einen Obolus entrichten. Für diesen Betrag würden dann irgendwo auf der Welt ein paar Bäume gepflanzt, die das CO2-Äquivalent angeblich wieder binden.

Ach, das gibt es wirklich? Und es gibt tatsächlich Menschen, die mit diesem grünen Selbstbetrug ihr Gewissen beruhigen?

Die sollten dringend diesen tollen Beitrag, den Jon Frickey für das Magazin extra 3 gemacht hat, anschauen: Dr. Greenies Baumpflanzland.

Es ist nämlich so, dass es diese freien Flächen zur Aufforstung auf unserer überbevölkerten und übernutzten Erde gar nicht gibt. Stattdessen wird also auf Flächen, die gerade kahlgeschlagen wurden, für die Holzindustrie die Wiederaufforstung bezahlt, die eh geplant war. Und diese Industrie freut sich nicht nur über die kostenlosen Setzlinge, sondern auch schon auf den erneuten Kahlschlag in 20 Jahren.

Außerdem sollte bekannt sein, dass Bäume nur CO2 binden, während sie wachsen. Beim Verrotten oder Verbrennen wird genau die bis dato gebundene Menge CO2 wieder frei. Wirklich dauerhafte CO2-Bindung gibt es nur in Mooren oder in Wäldern, die wir sich selbst überlassen, aus denen wir uns also zurückziehen.

Dies alles ist Robert Habeck natürlich bekannt. Trotzdem will er uns nun mit CCS einen ähnlichen Taschenspielertrick verkaufen, um die katastrophale Klimabilanz von 2022 schönzurechnen.

Ekkehard Mantel

Links:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/CCS-Technik-in-der-Nordsee-Debatte-koennte-Fahrt-aufnehmen,css102.html

https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/kohleausstieg/mogelpackung-ccs

Homepage von Jon Frickey

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