Der Buchsbaumzünsler ist eine invasive Art, die durch Pflanzenhandel aus Ostasien eingeschleppt wurde. 2006 erfolgte der erste Nachweis in Deutschland, seit 2012 ist er so verbreitet, dass er eine ernste Bedrohung der Buchsbaumbestände darstellt. Das Schadensbild ist wohl inzwischen allgemein bekannt, befallene Buchsbäume werden oft komplett kahl gefressen und sind dann von einem Gespinst umgeben. Die einzig mögliche Gegenmaßnahme scheint massiver Gifteinsatz zu sein.

Doch ist das wirklich so?

Interessanterweise haben Buchsbäume in Mischwäldern keine Probleme, betroffen sind scheinbar nur die Buchsbäume in Gärten und Parks. Tatsächlich kommt der Buchsbaumzünsler auch in Mischwäldern vor, nur ist seine Ausbreitung durch die Artenvielfalt (Fauna und Flora) dort stark eingeschränkt. Zum einen steht der nächste Buchsbaum weit weg, die Buchsbaumzünsler können nach dem Kahlfraß eines Baumes nicht einfach zum nächsten wechseln, zum anderen gibt es in einem gesunden Mischwald viel mehr Fressfeinde. Das Problem ist also nur in Buchsbaum-Monokulturen, wie sie in Parks oft vorkommen, und für Gartenbesitzer*innen, für die Gärten perfekt aufgeräumt sein müssen, übergroß.

Indessen gibt es nun eine natürliche Lösung dieses Problems, und das ganz ohne Gift: Spatzen haben die Raupen als Nahrungsquelle entdeckt und suchen deshalb gerne Buchsbäume auf. Auch Kohlmeisen, Rotschwänzchen, Buchfinken und Wespen fressen inzwischen vermehrt die Raupen und verfüttern sie an ihre Jungen, Fledermäuse jagen sogar die ausgewachsenen Falter.

Das Problem ist also nicht so sehr der Buchsbaumzünsler, sondern wie so oft der Mensch:

Gartenbesitzer*innen sollten nicht gleich beim ersten Befall mit massivem Gifteinsatz reagieren, sondern die Raupen sich entwickeln lassen und auch mal einen Kahlfraß für ein oder zwei Jahre aushalten, ohne den Buchsbaum gleich rauszureißen. Dann würden Spatzen die Raupen entdecken und fressen. Dies kann man noch beschleunigen, indem man ein paar Raupen einsammelt, in der Vogelfutterstation anbietet und die Spatzen so auf den Geschmack bringt. Der Buchsbaum würde sich erholen und wieder austreiben.

Zum einen muss das Gartenideal, dem die meisten noch nachhängen, also der super aufgeräumte durchgestylte Designergarten mit Golfrasen und künstlich in Form gebrachten – oft exotischen und ökologisch wertlosen – Pflanzen, hinterfragt und aufgegeben werden, zum anderen brauchen wir wieder mehr Vögel und Fledermäuse. Deren Rückgang liegt aber u.a. genau an diesen überaufgeräumten Psychopathengärten, es handelt sich also um ein zirkuläres Problem. Die einfache und beste Lösung ist es, den Garten mit einheimischen Büschen naturnah umzugestalten, Vogelfutterstationen und Nisthilfen – auch für Fledermäuse – inklusive.

Ekkehard Mantel

 

„Psychopathen-Gärten“

Buchsbaumzünsler: Die Natur schlägt zurück!

Buchsbaumzünsler: Raupen werden Vogelfutter

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